KISBÉR UND UMGEBUNG

KISBÉR UND UMGEBUNG


KINCSEM, DIE WUNDERSTUTE

Von KINCSEM, der in 54 Wettkämpfe lang ungeschlagenen Wunderstute gibt es nach im folgenden Jahrhundert ihrer Laufbahn unzählige Bücher, Studien und Artikel. Im folgenden wählen wir einige aus diesen aus in der Hoffnung, dass es ausreicht zu vermitteln, welche unglaubliche Leistung diese Stute damals geleistet hat – eine Leistung, an die seitdem nichts und niemand auch nur in die Nähe kam.

KINCSEM 1874, gelbe Stute

Vater: Cambuscan,

Mutter: Waternymph


„HUNGARIAN WONDER“

Kincsem ist eine Romanfigur im wahrsten Sinne des Wortes! Es gab weder vorher noch seitdem ein Pferd, das an sie herankam. Die 54 Siege sind nicht aus Zufall entstanden, sondern aus Können, stählerner Disziplin, einem schier unbändigem Siegeswillen: Erster zu sein unter den Besten! Das ist der Grund, warum sie überall nur das „Hungarian Wonder“ – das „ungarische Wunder“ ist und bleibt.

DER INHABER: ERNŐ BLASKOVICH (1834-1911)

Die Liebe zu den Pferden und das Wissen über sie ist in der Blaskovich Familie vererbt worden. Jeder Blaskovich hat Pferde gezüchtet, geritten und mit ihnen an Wettkämpfen teilgenommen. 1847 hat Pál Blaskovich mit Erzherzog István bravourös eine Strecke innerhalb von 1,5 Stunden hinter sich gebracht, die zuvor niemand - egal wie gut Kutscher und Pferde waren – unter 3 Stunden geschafft hat. Seitdem gibt es den Spruch: „er fährt wie ein Blaskovich...“

Durch Fortuna begünstigt

1875 gab es im Gestüthof in Tápiószentmárton 6-7 Pferde im Training und 6 Yearlinge (1jährige) Fohlen, die auf der Weide grasten. Das war aber für den sparsamen Blaskovich zu viel und er entschied sich, einen Teil der Fohlen zu verkaufen. Bald gab es auch Käufer: Der Baron Orczy und der Graf Lónyai. Nach langem Hin- und Her stellte sich heraus, dass ihnen alle Fohlen gefallen, außer eines namens Kincsem. So verkaufte Blaskovich die anderen 5 Fohlen, und Kincsem kam im Herbst nach Göd, auf den Platz von Róbert Hesp, damit er im nächsten Jahr dem Weltruhm und der Unsterblichkeit – wie Pegasus - entgegenfliegen konnte.

DER TRAINER: RÓBERT HESP (1823-1887)
Er war ein Farmersohn aus Slinsby, aus der Grafschaft von Yorkshire. Er lernte bei Job Marsden, einem bekannten Trainer in Malton. Er kam als ausgewachsener, junger Mann nach Ungarn und arbeitete als Huntsman auf bekannten Koppeljägereien erst in Fót, später in Csákó. 1868 bekam Hesp eine Stelle in Lepsény, hier fing er mit der Dressur von Galopppferden an. 1875 eröffnete er seinen eigenen Dressurplatz in Göd. 1875 kam Kincsem zu ihm – und das machte den Namen Hesp unvergesslich in der Turf-Geschichte.

Er hatte einen riesen Anteil daran, dass die „Unschlagbare“ im Laufe ihrer 4jährigen Wettkampfkarriere niemals erkrankte und immer im wettbewerbsfähigen Zustand war.

Hesp und seine ganze Familie beherrschten die ungarische Sprache perfekt, was unter den englischen Trainern und Jockeys als große Ausnahme galt.

Kincsem starb am 17. Mai 1887. Róbert Hesp überlebte seine geliebte Stute um 39 Tage und starb am 25. April.

CAMBUSCAN

Francis Cavaliero war ein echter Weltbürger mit adliger, spanischer Abstammung, geboren in England. Er arbeitete als Englischlehrer in der Monarchie (er war sogar der Lehrer vom Thronfolger Rudolf), wurde aber als Reiter, Dresseur und Vollblutfachmann weltberühmt. Von 1866 bis 1882 war er der Wettkampfsekretär des österreichischen Jockey Clubs.

Das Gestüt in Kisbér hat auf seinen Rat hin Cambuscan als Deckhengst gekauft. Das außergewöhnliche Gefühl fürs Züchten von Cavaliero zeigt sich auch in der Tatsache, dass sich der Import von Buccaneer und Mineral an seinem Namen heftet – von diesen beiden Pferden stammt Kisbér, die Gewinnerin vom Englischen Derby und dem Französischen Grand Prix, ab!

WATERNYMPH

Waternymph verdankt ihr Leben ebenso Cavaliero, denn er brachte ihren Vater von Cotswold und ihre Mutter The Mermaid nach Ungarn!

Waternymph nahm bei Wettkämpfen in den Farben der Esterházys teil, wurde aber 1864 für 800 Forint an Ernô Blaskovich verkauft. Wie das Schicksal es wollte, hat diese hervorragende Stute gleich danach den Esterházy-Preis gewonnen, der mit 940 Forint dotiert war.

Waternymph arbeitete über Jahre als Lieblings-Jagdpferd für Blaskovich. Am Schluss wurde sie dann doch in die Züchtung gegeben, gebar mit 14 Jahren Kincsem

DIE ITALIENISCHE WETTE

Im Herbst 1877 sind im „Pester St. Leger“ 7 Pferde gestartet, unter ihnen Kincsem. Unmengen an Zuschauern. Dem Mieter des Totalisateurs tut das Herz weh: es wird nicht viel Umsatz geben, denn noch nicht einmal die wettfreudigen Pester wetten darauf, dass jemand die Unschlagbare schlägt (Zu dieser Zeit konnte man im Toto nur auf Sieg wetten). Zsigmond Császár war ein außergewöhnlich guter Geschäftsmann: er hat um Erlaubnis gebeten, bei den Wetten Kincsem außen vor zu lassen und auf den zweiten wetten zu dürfen (niemand dachte auch nur im Entferntesten daran, dass Kincsem verlieren könnte). So zahlte man auf den zweiten Prince Giles the First die Quoten aus. In der Geschichte des Totalisateurs war das der erste solche Fall, später führte man bei italienischen Pferderennen solche Wetten nach diesem Verfahren ein. www.kisber.hu

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